Manche Dinge in World ofWarcraft erscheinen uns belanglos – aber nur weil sie für uns alltäglich geworden sind! Wir erzählen Ihnen heute, wie Spieler zwischen dem 11.02.2005 und dem 16.01.2007 das Klassik-WoW erlebten und welche Neuerungen es damals noch nicht gegeben hat.

von Maria Melhorn / Sharlet

So, wir töten zuerst den Gegner ganz hinten, dann den zweiten von links, danach den rechts, den da vorne! Seht ihr den? – So sah zu Klassic-Zeiten eine ganz normale Taktikbesprechung aus. Weiter geht es mit »Kann mir ein Magier bitte etwas Kristallwasser machen?« – »Ja, und mir bitte ein paar Zimtschnecken!« – »Kleinen Moment, bin gleich fertig … so hier … sonst noch jemand?« Keinen Tisch vom Magier, keinen Brunnen und Teleporter vom Hexenmeister, keine Talentwechselvorschau, keine verlinkten Berufe, keine Markierung der Gegner – ja, nicht einmal einen Bereitschaftscheck gab es vor einigen Jahren! Wie hat das damals bloß alles geklappt, so ganz ohne unsere allseits beliebten Helfer? Heute bekommt der Begriff »Hardmode« eine ganz neue Bedeutung – wir reisen zurück in die Vergangenheit und zeigen Ihnen, wie World of Warcraft zu Klassikzeiten ohne unsere tausend Neuerungen funktioniert hat.

Auch Gnome können heilen!

Blizzard ist im Laufe der Jahre ziemlich tolerant gegenüber den verschiedenen Rassen, Klassen und deren Kombinationen geworden. Die Schamanen waren damals allein der Horde vorbehalten, die Paladine hingegen gehörten ausschließlich der Allianz an. Weit und breit waren keine wuchtigen Draenei und auch keine zierlichen Blutelfen zu sehen, keine Todesritter an jeder Straßenecke – und Gnome, die heilen können? Total undenkbar! Mit Cataclysm werden sämtliche Hüllen fallen gelassen: Untote, die mit Bögen herumhantieren, Priester im Tauren-Format und verstohlene Worgen – der Fantasie werden keine Grenzen mehr gesetzt. Hier ein Tauren Paladin. Sieht der nicht fett aus?

Wenn für 39 Spieler der Schlachtzug um 19 Uhr losgegangen ist, dann hat sich der Hexenmeister bereits gegen 18 Uhr auf den Weg gemacht, um seine Taschen zu füllen. Er zog Seelensplitter aus den Gegnern – und davon nicht wenige: Eine Begrenzung  gab es damals nicht.

Das waren deutlich zu wenige: Seelensplitter.

Im Gegensatz zum Magier konnte der Hexenmeister seine Gegenstände erst vor Ort verteilen, wenn im Maximalfall 39 Spieler Schlange standen, um einen Gesundheitsstein zu bekommen. Da die Steine einzigartig sind, durfte der Hexenmeister maximal einen herstellen, Charakter anhandeln, Stein vergeben, herstellen, anhandeln … das zog sich ein Weilchen. Doch damit nicht genug – einige Nachzügler betreten den Schlachtzug, der Leiter zappelt schon ungeduldig umher und bittet den Hexenmeister, die fehlenden Charaktere »mal eben zu porten«. Leichter gesagt als getan: Zuerst durfte der Chef diesen Spieler in die Gruppe des Hexers verschieben, nur dann konnte Letzterer einen Kollegen zu sich beschwören – und zwar immer nur einzeln. Denn ob man es glaubt oder nicht – Seelenbrunnen für Gesundheitssteine, Dämonischer Zirkel zum Beschwören und Blutpakt (Wichtel-Stärkungszauber) für den gesamten Schlachtzug gab es nicht.

 

Weitere Kleinigkeiten – Technik

Screenshots speichern: Machen Sie mit der »Druck« -Taste Bilder im Spiel,werden sie automatisch im JPEG-Format im Screenshot-Ordner abgespeichert. Früher speicherte das Spiel die Bilder jedoch im TGA-Format – für einige Spieler absolutes Neuland. Wer das Betriebssystem Windows nutzte, musste sich ein Bildbearbeitungsprogramm beschaffen und damit die gespeicherten Screenshots öffnen. Die Qualität der TGA-Bilder ist dagegen deutlich besser als die der heutigen JPEGs.
Farbe der Schamanen: Die Schamanen haben erst viel später ihre jetzige Farbe im Schlachtzug erhalten – das hellere Blau von damals unterschied sich kaum von dem derMagier, Verwirrung war da wohl vorprogrammiert! Anscheinend war es den Entwicklern jahrelang nicht wichtig genug, die Farbe zu ändern, denn wer hat schließlich auch einen Schamanen in einem Schlachtzug mitgenommen?
Werte: Anstatt Zaubermacht gab es früher nur Heilung und Zauberschaden – Zaubertempo war mit BC ein komplett neues Attribut. Die kritische Trefferwertung wurde damals noch in Fernkämpfer und Nahkämpfer unterteilt. Auf den Schlachtfeldern funktionierte es noch komplett ohne Abhärtung – auch sie ist ein neu eingeführter Wert.
Einstellungen speichern: Die Einstellungen der Leisten, Tasten, Zauber und allem, was dazugehört, wurde damals nicht auf dem Server gespeichert. »Mal eben« bei einem Freund einloggen war nicht besonders spaßig, weil das komplette Interface neu eingestellt werden musste.
Wartungsarbeiten: Die Wartungsarbeiten am Server fanden zu Klassikzeiten noch an einem Freitag statt – nicht wie heute am Mittwoch.

 

Tischlein deck dich

10 Minuten Brot und Wasser machen: Das war die Raidvorbereitung des Magiers.

Ein Tisch mit schmackhaften Strudeln für alle gleichzeitig? Fehlanzeige – früher war das anders. Bei 40 Spielern und maximal vier Magiern pro Schlachtzug waren die flinken Zauberer eineWeile mit dem Backen der Zimtschnecken und dem Abfüllen des Kristallwassers beschäftigt – denn jeder Schlachtzugs-Teilnehmer wollte mindestens 60 herbeigezauberte Leckereien haben. Da ist heutzutage ein gedeckter Tisch schon ziemlich praktisch, unkompliziert und vor allem zeitsparend.

Wo wir gerade bei unseren magiebegabten Kollegen sind – wie kommen Sie am schnellsten nach Theramore? Durch ein Portal, korrekt – zumindest jetzt. Zu Klassikzeiten war der Fußweg durch das Brachland (Horde) oder das Schiff von Menethil (Allianz) der einzige (und nicht gerade kurze)Weg. Dass die Portale nach Theramore erst eingeführt wurden, als die alte Drachendame Onyxia schon lange nicht mehr besucht wurde, war etwas kontraproduktiv. Mit ihrem Redesign hat jedoch auch das Theramore-Portal endlich einen sehr großen Nutzen.

Alles mit System

Gegenstände für Ehrenmarken

  • Jede Menge Luxus mit dem neuen Questsystem von World of Warcraft. Früher waren Guides und Quest-Datenbanken noch Gold wert, heute hingegen erscheinen alle Questlösungen direkt auf der im Spiel integriertenWeltkarte.
  • Das Gegenstandsrückkaufsystem ermöglicht es Spielern, einen gekauften oder geplünderten Gegenstand wieder zurückzugeben (gewisse Kriterien müssen natürlich erfüllt sein). Zu Klassikzeiten konnte in so einem Fall nur ein Plausch mit dem Gamemaster helfen.
  • Im Klassik-WoW wurden Gegenstände hauptsächlich mit Gold, Ruf und Ehrenmarken erworben – ein Emblem-System wie heute gab es noch nicht.
  • Die Spieler verabredeten sich früher ausschließlich über einen Planer, im Forum, im Internet oder direkt im Spiel per Chat oder speziellen Channel. Heute gibt es den Kalender, und mit Cataclysm wird es sogar möglich sein, ganze Gilden ohne Umwege für einen Termin einzuladen.
  • Was würden wir nur ohne unsere Punkte-Jagd machen? Das beliebte Erfolgssystem gab es vor einigen Jahren im Spiel noch nicht – kaum vorstellbar.  
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    Weitere Kleinigkeiten – Umgebung

    Friedhöfe: Wenn Sie sich die Patch-Notizen der vergangenen Jahre anschauen, könnten Sie durchaus annehmen, dass es in Klassik-WoW maximal fünf Friedhöfe gab. »Dem Gebiet XY wurde ein neuer Friedhof hinzugefügt« – diese Meldung gab es in den Patch-Notizen ungefähr genauso häufig zu lesen wie das Wörtchen »und«.
    Flugrouten: Auch neue Flugrouten wurden wie am Fließband ins Spiel eingebaut – kein Wunder: Zu Klassikzeiten gab es beispielsweise keine Möglichkeit, direkt von Sturmwind zur Thoriumspitze oder von Ratschet nach Gadgetzan zu fliegen. Da flog der Charakter lieber im Zickzack durch die Gegend, um auch jede einzelne Station mitzunehmen – ungefähr genauso spannend, wie im realen Leben anstelle der Direktverbindung den Bummelzug zu nehmen.

    Lokalisierung – Fluch oder Segen?

    Zwei Monate vor der Eröffnung der Scherbenwelt wurde Patch 2.0.1 auf die Server aufgespielt. Dieser »Vorbereitungs- Patch« diente dazu, die Welt zu übersetzen. Wer sich bis heute die Namen »IF« (Ironforge; Eisenschmiede) oder »Blackrock« (Schwarzfels) nicht abgewöhnt hat, wünscht sich manchmal wehleidig einige alte Namen zurück – oder denkt mit einem Schmunzeln an die heutigen, bizarren Übersetzungen: 

    ehemals Deutsch aktuell Deutsch
    Stormrage Sturmgrimm
    Warsongschlucht Kriegshymnenschlucht
    der Blackrock der Schwarzfels
    Furlbrows Kürbishof Brauenwirbels Kürbishof
    Booty Bay Beutebucht
    Southshore Süderstade
    Scrabblescrews Lager Schraubenbuddels Lager
    Diamondhead Diamantschnellen

     

    Weiter geht es nächsten Montag mit dem 2. Teil des WoW-Classic Rückblicks und all den Sachen, die damals doch nicht so toll waren…