Früher war nichts besser!
22. Nov 2010 | Gepostet von Knut Gollert in Allgemein, Guides, SonstigesNov 22
Manche Dinge in World ofWarcraft erscheinen uns belanglos – aber nur weil sie für uns alltäglich geworden sind! Wir erzählen Ihnen heute, wie Spieler zwischen dem 11.02.2005 und dem 16.01.2007 das Klassik-WoW erlebten und welche Neuerungen es damals noch nicht gegeben hat.
von Maria Melhorn / Sharlet
So, wir töten zuerst den Gegner ganz hinten, dann den zweiten von links, danach den rechts, den da vorne! Seht ihr den? – So sah zu Klassic-Zeiten eine ganz normale Taktikbesprechung aus. Weiter geht es mit »Kann mir ein Magier bitte etwas Kristallwasser machen?« – »Ja, und mir bitte ein paar Zimtschnecken!« – »Kleinen Moment, bin gleich fertig … so hier … sonst noch jemand?« Keinen Tisch vom Magier, keinen Brunnen und Teleporter vom Hexenmeister, keine Talentwechselvorschau, keine verlinkten Berufe, keine Markierung der Gegner – ja, nicht einmal einen Bereitschaftscheck gab es vor einigen Jahren! Wie hat das damals bloß alles geklappt, so ganz ohne unsere allseits beliebten Helfer? Heute bekommt der Begriff »Hardmode« eine ganz neue Bedeutung – wir reisen zurück in die Vergangenheit und zeigen Ihnen, wie World of Warcraft zu Klassikzeiten ohne unsere tausend Neuerungen funktioniert hat.
Auch Gnome können heilen!
Blizzard ist im Laufe der Jahre ziemlich tolerant gegenüber den verschiedenen Rassen, Klassen und deren Kombinationen geworden. Die Schamanen waren damals allein der Horde vorbehalten, die Paladine hingegen gehörten ausschließlich der Allianz an. Weit und breit waren keine wuchtigen Draenei und auch keine zierlichen Blutelfen zu sehen, keine Todesritter an jeder Straßenecke – und Gnome, die heilen können? Total undenkbar! Mit Cataclysm werden sämtliche Hüllen fallen gelassen: Untote, die mit Bögen herumhantieren, Priester im Tauren-Format und verstohlene Worgen – der Fantasie werden keine Grenzen mehr gesetzt. Hier ein Tauren Paladin. Sieht der nicht fett aus?
Wenn für 39 Spieler der Schlachtzug um 19 Uhr losgegangen ist, dann hat sich der Hexenmeister bereits gegen 18 Uhr auf den Weg gemacht, um seine Taschen zu füllen. Er zog Seelensplitter aus den Gegnern – und davon nicht wenige: Eine Begrenzung gab es damals nicht.
Im Gegensatz zum Magier konnte der Hexenmeister seine Gegenstände erst vor Ort verteilen, wenn im Maximalfall 39 Spieler Schlange standen, um einen Gesundheitsstein zu bekommen. Da die Steine einzigartig sind, durfte der Hexenmeister maximal einen herstellen, Charakter anhandeln, Stein vergeben, herstellen, anhandeln … das zog sich ein Weilchen. Doch damit nicht genug – einige Nachzügler betreten den Schlachtzug, der Leiter zappelt schon ungeduldig umher und bittet den Hexenmeister, die fehlenden Charaktere »mal eben zu porten«. Leichter gesagt als getan: Zuerst durfte der Chef diesen Spieler in die Gruppe des Hexers verschieben, nur dann konnte Letzterer einen Kollegen zu sich beschwören – und zwar immer nur einzeln. Denn ob man es glaubt oder nicht – Seelenbrunnen für Gesundheitssteine, Dämonischer Zirkel zum Beschwören und Blutpakt (Wichtel-Stärkungszauber) für den gesamten Schlachtzug gab es nicht.
Weitere Kleinigkeiten – Technik |
| Screenshots speichern: Machen Sie mit der »Druck« -Taste Bilder im Spiel,werden sie automatisch im JPEG-Format im Screenshot-Ordner abgespeichert. Früher speicherte das Spiel die Bilder jedoch im TGA-Format – für einige Spieler absolutes Neuland. Wer das Betriebssystem Windows nutzte, musste sich ein Bildbearbeitungsprogramm beschaffen und damit die gespeicherten Screenshots öffnen. Die Qualität der TGA-Bilder ist dagegen deutlich besser als die der heutigen JPEGs. |
| Farbe der Schamanen: Die Schamanen haben erst viel später ihre jetzige Farbe im Schlachtzug erhalten – das hellere Blau von damals unterschied sich kaum von dem derMagier, Verwirrung war da wohl vorprogrammiert! Anscheinend war es den Entwicklern jahrelang nicht wichtig genug, die Farbe zu ändern, denn wer hat schließlich auch einen Schamanen in einem Schlachtzug mitgenommen? |
| Werte: Anstatt Zaubermacht gab es früher nur Heilung und Zauberschaden – Zaubertempo war mit BC ein komplett neues Attribut. Die kritische Trefferwertung wurde damals noch in Fernkämpfer und Nahkämpfer unterteilt. Auf den Schlachtfeldern funktionierte es noch komplett ohne Abhärtung – auch sie ist ein neu eingeführter Wert. |
| Einstellungen speichern: Die Einstellungen der Leisten, Tasten, Zauber und allem, was dazugehört, wurde damals nicht auf dem Server gespeichert. »Mal eben« bei einem Freund einloggen war nicht besonders spaßig, weil das komplette Interface neu eingestellt werden musste. |
| Wartungsarbeiten: Die Wartungsarbeiten am Server fanden zu Klassikzeiten noch an einem Freitag statt – nicht wie heute am Mittwoch. |
Tischlein deck dich
Ein Tisch mit schmackhaften Strudeln für alle gleichzeitig? Fehlanzeige – früher war das anders. Bei 40 Spielern und maximal vier Magiern pro Schlachtzug waren die flinken Zauberer eineWeile mit dem Backen der Zimtschnecken und dem Abfüllen des Kristallwassers beschäftigt – denn jeder Schlachtzugs-Teilnehmer wollte mindestens 60 herbeigezauberte Leckereien haben. Da ist heutzutage ein gedeckter Tisch schon ziemlich praktisch, unkompliziert und vor allem zeitsparend.
Wo wir gerade bei unseren magiebegabten Kollegen sind – wie kommen Sie am schnellsten nach Theramore? Durch ein Portal, korrekt – zumindest jetzt. Zu Klassikzeiten war der Fußweg durch das Brachland (Horde) oder das Schiff von Menethil (Allianz) der einzige (und nicht gerade kurze)Weg. Dass die Portale nach Theramore erst eingeführt wurden, als die alte Drachendame Onyxia schon lange nicht mehr besucht wurde, war etwas kontraproduktiv. Mit ihrem Redesign hat jedoch auch das Theramore-Portal endlich einen sehr großen Nutzen.
Alles mit System
Weitere Kleinigkeiten – Umgebung |
| Friedhöfe: Wenn Sie sich die Patch-Notizen der vergangenen Jahre anschauen, könnten Sie durchaus annehmen, dass es in Klassik-WoW maximal fünf Friedhöfe gab. »Dem Gebiet XY wurde ein neuer Friedhof hinzugefügt« – diese Meldung gab es in den Patch-Notizen ungefähr genauso häufig zu lesen wie das Wörtchen »und«. |
| Flugrouten: Auch neue Flugrouten wurden wie am Fließband ins Spiel eingebaut – kein Wunder: Zu Klassikzeiten gab es beispielsweise keine Möglichkeit, direkt von Sturmwind zur Thoriumspitze oder von Ratschet nach Gadgetzan zu fliegen. Da flog der Charakter lieber im Zickzack durch die Gegend, um auch jede einzelne Station mitzunehmen – ungefähr genauso spannend, wie im realen Leben anstelle der Direktverbindung den Bummelzug zu nehmen. |
Lokalisierung – Fluch oder Segen?
Zwei Monate vor der Eröffnung der Scherbenwelt wurde Patch 2.0.1 auf die Server aufgespielt. Dieser »Vorbereitungs- Patch« diente dazu, die Welt zu übersetzen. Wer sich bis heute die Namen »IF« (Ironforge; Eisenschmiede) oder »Blackrock« (Schwarzfels) nicht abgewöhnt hat, wünscht sich manchmal wehleidig einige alte Namen zurück – oder denkt mit einem Schmunzeln an die heutigen, bizarren Übersetzungen:
| ehemals Deutsch | aktuell Deutsch |
| Stormrage | Sturmgrimm |
| Warsongschlucht | Kriegshymnenschlucht |
| der Blackrock | der Schwarzfels |
| Furlbrows Kürbishof | Brauenwirbels Kürbishof |
| Booty Bay | Beutebucht |
| Southshore | Süderstade |
| Scrabblescrews Lager | Schraubenbuddels Lager |
| Diamondhead | Diamantschnellen |









12 Kommentare
Kommentar von Silberohr am 22. November 2010 um 19:36
Ach mir hats gefallen, damals..nicht soviel wischiwaschi…
Kommentar von Maria Melhorn am 22. November 2010 um 19:39
Ich möchte übrigens anmerken, dass die Headline aus Redaktionsgründen geändert werden musste und ich persönlich absolut der Meinung bin, dass es früher vieles gegeben hat, das durchaus sehr schön war. Ich habe gerne in der Klassikzeit gespielt, es war eben alles anders – nicht besser und nicht schlechter.
Kommentar von berti am 22. November 2010 um 19:53
sehr schön geschrieben danke
Kommentar von Mimi am 22. November 2010 um 20:42
Dass früher nicht alles leicht war, ist richtig. Aber dass leicht nicht immer schön ist, ist auch richtig.
Früher: Heute abend mach ich ne Ini. Strat, oder Scholo, wenns länger dauern darf. (2 Stunden)
Heute: Vorm ausloggen mach ich noch schnell ne Ini, geht ja fix. ( 15 min)
Früher: “Der da wird gesheept, der dort wird geshackelt, und der Schurke nusst den Typen da hinten. Den machen wir dann zuerst.” Und wenn alle konzentriert waren, hats sogar geklappt.
Heute: “” Gehirnaktivität… nicht vorhanden. Rein, bomben, fertig.
Früher: … hab ich für mein Leben gern Inis gemacht. Herausforderung und so, ihr versteht?
Heute: … geh ich nur mit, damit man mit seiner Gilde auch auserhalb des Raids mal was gemeinsam macht.
Ich mag es teils so, wies heute ist. Aber in Sachen Equip und Instanzen ist heute vieles schlechter. Wie gesagt, zu leicht ist eben nicht immer gut. *find*
Kommentar von Cartman am 22. November 2010 um 22:30
Gerade in Sachen Komfort hat sich in den Jahren viel getan. Musste auch, denn die Konkurrenz hat es vorgemacht, wie ein modernes Spiel auszusehen hat.
Ich erinnere mich noch an die Zeit, als man nur von Flugpunkt zu Flugpunkt fliegen konnte. Da durfte man nicht mal eben 10 Minuten AFK gehen, bis man am Ziel ankommt.
Manchmal denke ich auch wehmütig an die Zeiten zurück, als ich mich in Loch Modan mit den Eliteogern rumgeprügelt hatte und dann jemand einen sage und schreibe Stufe 36 Jäger zu Hilfe geholt hatte.
Andererseits finde ich gerade beim Questdesign heute viele Sachen besser. Gruppenquests als Abschluss von längeren Questreihen sind OK, haben aber in den Startgebieten nichts zu suchen, da man dort selten Gruppen findet. Sowas wie Vagash konnte einen in den Wahnsinn treiben.
Was die Instanzen angeht hoffe ich, daß Blizzard da einen Mittelweg findet. Früher waren die Instanzen einfach zu groß, bzw. durch die vielen dauernd repsawnenden Patrouillen dauerte es einfach zu lange. 2 Stunden aufwärts für Todesmienen müssen nicht sein. Jetzt sind einige Instanzen aber etwas zu kurz geraten. Aber man darf auch nicht vergessen, daß man mit T9 aufwärts auch etwas zu gut ausgerüstet ist, die heroischen 80er Inis sind ja für T7 ausgelegt.
Kommentar von Bleeze am 22. November 2010 um 23:28
Netter Bericht, ganz witzig geschrieben =)
Aber diese Schwarz-Weiß-Zeichnerei im Titel ist unter eurem Niveau…
Kommentar von Maria Melhorn am 23. November 2010 um 00:20
Ich habe dazu ja weiter oben bereits einen Kommentar abgegeben, dass das quasi nicht meine Headline gewesen ist. Bitte verzeiht. Für mich ist das Alltag zu Klassikzeiten!
Kommentar von Mike am 23. November 2010 um 00:59
Ich persönlich empfinde das Cataclysm viele Anzeichen von Klassik hat. Früher gab es auch kein Rüstungsdurchschlag oder Zaubermacht und es wurde mehr wert auf die Primär werte gelegt, heute sockeln die leute auch wieder INT oder BEW. Dazu natürlich das die “klassik” gebiete verändert worden sind oder besser gesagt modernisiert. Anfangs war ich wie vielen Klassik Spieler skeptisch, fällt es einen doch schwer sich von der alten Welt zu trennen. Aber als ich das alte Azeroth noch einmal zum Abschied durchstreifte, musste ich mir ehrlich eingestehen das ich keinen anderer Spieler getroffen habe. Die Veränderungen bringen hoffentlich, das nicht nur über den DungeonFinder gelevelt wird !
Leider kennen viele neuen Spieler nichtmal die hälfte der Moves welche ihr Charakter ausspielen kann. Damals war vielleicht die Raid Vorbereitung extrem gegenüber heute (wie im Beitrag GS, SS, stundenlanges mats farmen für Tränke die nur in Scholo erstellt werden konnten..) aber dafür waren die (40) Leute auch mehr Konzentriert wie heute, erfolgsorientiert und die dafür erhaltende Belohnung ein wahres Glücksgefühl.
Heute trifft man eher leute die mal eben ICC gehen wollen ohne Food, Drinks oder sonstige Vorbereitungen, rumpöbeln wenn sie keinen Loot bekommen, einfach nicht einsehen das der 2H Stab für Tanks keinen Vorteil bringt um dann aus rache mitten im Bosskampf “Offline” gehen.
Natürlich ist es ein Drahtseilakt einen Weg für Casual spieler und Pro Gamer zu finden allerdings hat Blizz das Spiel, für mein empfinden, zu sehr vereinfacht. Raid Vorbereitungen von damals waren wirklich Episch und die Item ausbeute dafür mager aber heute hat direkt jeder Zugang zu alles ohne wirklich etwas zu investieren, seinen Char an die grenzen zu bringen und ein Gefühl für die Gruppe zu entwickeln.
Die ankündigen für Cata das mehr CC gefordert wird, jeder seinen Char ausspielen muss und ansich das Gameplay schwerer wird, weckt die Hoffnung in mir das Blizz back2roots will. Ich hoffe allerdings das auch wieder mehr Liebe ins Spiel kommt anstatt highend Gegenstände die alle gleich aussehen T10 oder NonSet selbe Texture… anstatt eine highend Instanz die immer gleich aussieht auch beim durchspielen in verschieden Modis.
Kommentar von neugierig am 23. November 2010 um 12:51
Sicher war früher nicht alles besser, aber doch vieles.
Ich hoffe das Cata wieder Besserung bringt.
So das ich vielleicht auch wieder mal mein “assist” macro brauche.
Kommentar von Mantrak am 23. November 2010 um 15:35
Früher war vieles schlechter, aber man musste sich noch um seinen Char kümmern, in hegen und pflegen und konnte ihn nur langsam aufbauen. Und die Leute die zu Classic-Zeiten gespielt haben, haben fast alle mehr Skill als die ganzen Neulinge. (eben weil vieles früher noch händisch gemacht werden musste bzw. man sehr lange sich mit seinem Char beschäftigen musste) Ein einfaches zusammenziehen und bomben bekommt heute jeder hin, aber mit CCs zu arbeiten ist da schon schweriger.
Mal eben einen Twink hochziehen? Heute hat man da nicht mal 2 Tage Playtime und ist 80. Man hat ca. 30% der Welt nur bereisen müssen und lässt jedes 2.-3. Gebiet(z.B. Scherbenwelt levelt man max. in 3 von 7 Gebieten) aus. Selbst Neulinge sehen nur einen Bruchteil und da freue ich mich auf Cata, das es da endlich eine Anpassung gibt und man die alte Welt wieder bereisen muss.
Auch freue ich mich auf Cata, weil da wieder was entscheidendes wiederkommt. Zu Classic-Zeiten und auch in BC konnte man nicht einfach frisch 60 bzw. 70 in jede Instanz gehen. Man wäre kläglich gescheitert, weil das Equip einfach fehlt. Man musste sich das Equip zusammenfarmen und erst dann durfte man mit. Heutzutage leistet es sich doch fast jeder Raid nen grün/blauen 80iger mal eben durch ICC zu schleifen.
Auch musste man früher mühevoll zu jeder Ini anreisen. Oder weiß einer der Neulinge wo der Eingang zu Maraudon, Uldaman oder HDW ist? Heute geht man in den Dungeonfinder und ist dort. Ohne jemals das Gebiet entdeckt zu habenn. Viele Twinken auch in dem Sie nur Schlachtfelder oder Inis gehen und damit EP farmen. Mit Cata kommt auch dies ein Stück zurück. Denn nach meinen Informationen muss man zumindestens den Eingang und den Portstein entdeckt haben um eine Instanz per Dungeonfinder betreten zu dürfen.
Ach ja ich könnte jeder schreiben und schreiben was mir alles einfällt. Aber ich mag nichts dem Author vorwegnehmen.
LG
Manni
Kommentar von Mike am 24. November 2010 um 04:03
Stimme Manni zu damals musste man halt anreisen zum dungeon und dann noch auf die anderen aus der gruppe warten. Da hat man aber auch nur 1-2 dungeon gemacht pro abend neue cc versucht und taktiken verbessert.. Erinnere da nur an stratholm die ganze mob control beim fail pull. Heute ist ja nur noch bomben und rushen, frage mich warum wow noch als rollenspiel eingestuft wird ist eher ein shooter oder jump and run geworden.
Aber den leuten das feeling von damals zu erklären geht nicht das wie von einer bestimmten band von damals zu erzählen, man kann es nur nachempfinden wenn man selber dabei war.
Pingback von Früher war es anders « Familienwelten am 28. November 2010 um 23:46
[...] Früher war nichts besser!. [...]