Viele Spieler des “Vorzeige-MMORPGs” World of Warcraft wünschen sich schon seit längerer Zeit ein Housing-System für ihr Lieblingsspiel. Das Thema schwirrt aber auch schon seit der ersten Beta von WoW-Classic durch die Foren, denn die Entwickler versprachen seit damals immer mal wieder, darüber nachzudenken und es auf dem Schirm zu haben. In einem Interview mit Eurogamer, verriet Blizzard-Produzent J Allen Brack, dass es Housing in World of Warcraft wohl niemals geben wird.

“Wir wollen nicht einfach sagen, dass es jetzt plötzlich Häuser für Spieler gibt. Es muss dafür einen Grund geben. Es muss ein gewisses Maß an Gameplay dahinter stecken, es müssen Dinge passieren.” so Brack.

Man habe bei jedem Addon über dieses Thema nachgedacht und dann immer wieder beiseite geschoben. Man wolle nicht einfach Häuser für die Spieler anbieten. Die berechtigte Frage der Spieler müsste dabei sein: “Warum nicht?” Wieso muss es einen storytechnischen Grund für Spieler-Housing geben? Bereits in weitaus älteren MMORPGs wie Ultima Online oder EverQuest 2 gab es seit Beginn wirklich gut durchdachtes Player-Housing, dass sinnvoll integriert wurde. Auch der Online-Ableger von Herr der Ringe bietet den Spielern ein Housing-System inklusive kompletter, instanzierter Nachbarschaften. In EverQuest 2 gibt es sogar extra Handwerksberufe, die sich mit der Herstellung von Möbeln beschäftigt.

Sicherlich gibt es einige Spieler, die gegen ein Housing sind, weil sie befürchten, dass die Hauptstädte dann leer sind, doch das ist eher Unsinn. In den genannten Spielen gibt es das Housing-System und trotzdem findet man in den Hauptstädten genügend Spieler. Und mal ganz davon abgesehen, wenn es den Entwicklern wirklich darum gehen würde, dass die Hauptstädte belebter sind, dann wären abseits von Sturmwind und Orgrimmar die anderen keine Geisterstädte. In Eisenschmiede und Co. ist nichts mehr los.

Housing bietet den Spieler und vor allem Gilden aber durchaus auch Vorteile. In EverQuest 2 gibt es zum Beispiel auch Gildenhäuser in verschiedenen Größen. Hier können die Gildenmitglieder zusammen an der Verbesserung des Innenlebens feilen und so zum Beispiel eigene Gildenportale zu den diveren Ländern freischalten, eigene NPC-Händler, Lehrer oder Schmieden, Werkbänke und Webstühle kaufen und herstellen, die einen Bonus beim Erstellen von Gegenständen für Gildenmitglieder gewähren. Natürlich darf die Gilde hier auch mit den Trophäen von erlegten Bossen protzen. Housing hat aber auch einen großen sozialen Aspekt und fördert das Gemeinschaftsgefühl von Gildenkollegen. Viele Spieler verwenden das Housing sogar dazu, ihre selbst hergestellen Waren auszustellen und zu verkaufen. Quasi ein eigenes Geschäft in einer Stadt zu haben, statt nur über das Auktionshaus Items zu verticken, das zählt auch zum Rollenspiel.

Housing ist bei World of Warcraft wohl eher eine Grundsatz-Frage. MMORPG bedeutet Massive Multiplayer Online Role Playing Game. Andere Vertreter des Genres, wie eben Ultima Online, EverQuest 2 und Herr der Ringe Online nehmen die Bezeichnung “Rollenspiel” sehr ernst und bieten den Spielern viele Möglichkeiten wie etwa Housing oder ein Outfit-System, um spielerisch in der virtuellen Online-Welt abzutauchen. Da stellt man sich die durchaus kritische Frage, wieviel Rollenspiel denn noch in World of Warcraft steckt. Und dass muss sich Blizzard auch gefallen lassen. Ein echts Rollenspiel besteht aus mehr als nur der Jagd nach immer besseren Gegenständen.

In WoW warten wir durch die Komfort-Funktion “Dungeon-Finder” in den Hauptstädten nur noch auf die Einladung in die nächste Instanz. Einen Anreiseweg, der durchaus ein Pluspunkt für die Atmosphäre eines Rollenspiels ist, gibt es nicht mehr. Darunter leidet aktuell sogar das Gemeinschaftsgefühl auf den eigenen Servern. Ausser mit den Gildenkollegen, sind wir mehr mit Spielern von anderen Servern unterwegs die wir nie mehr wiedersehen. Dass man Spieler vom eigenen Server kennen lernt, war gestern, als wir noch über den Stadt-Chat nach Gruppen gesucht haben und daraus Bekannt- und Freundschaften geworden sind. Klar sind viele Spieler damit zufrieden, doch warum macht sich Blizzard nicht die Mühe, aus einem sehr guten MMO-Dungeon-Crawler ein waschechtes und absolut überragendes Rollenspielerlebnis zu machen, dass garantiert auch neue Spieler anlockt, denen solche Rollenspiel-Inhalte gefallen? Geht es wirklich nur noch um “Über-Roxxor-Superduper-Mega-EPIXXX”?

Ultima Online Housing

EverQuest 2 Housing

EverQuest 2 – Gildenhalle

Herr der Ringe Online – Housing